Radfahren in der Emilia-Romagna: Riolo Terme – Imola – Dozza

Pressereise – Am zweiten Morgen in Riolo Terme begrüßt uns die Sonne. Wir rollen aus dem Städtchen in die hügelige Emilia-Romagna hinaus und ich bin schon beim ersten Anstieg sehr froh, heute Lucias Beispiel gefolgt zu sein und ebenfalls auf einem e-Mountainbike zu sitzen. Ich weiß, ganz großer Frevel und gar nicht im Sinne der Nachhaltigkeit. Ich stimme allen, deren Mundwinkel jetzt ganz nach unten gesunken sind, voll zu. Aber ich brauche hier und jetzt die Unterstützung. Die Kraft und Ausdauer für das Hügel- und Bergeklettern werde ich mir in den nächsten Monaten antrainieren. Denn es wird schon irgendwann klappen, die Sache mit mir und den Bergen.

In Emilia bekommst du Wasser & in Romagna Wein

Unser erster Stopp ist das Weingut Tre Monti, ein familiengeführter Betrieb, der seit 2014 auf biologische Landwirtschaft umgestellt hat und aus seinen auf den umliegenden Weinstöcken wachsenden Beeren preisgekrönte Weine gewinnt. Wir dürfen uns ausführlich in den Gebäuden mit den riesigen Edelstahlbehältern und Holzfässern umschauen, werfen einen Blick in mit gärendem Wein gefüllte Emphoren und probieren zum Abschluss einen guten Schluck. Was für eine nette Überraschung, dass uns im Hotel am Abend ein ganzer Karton mit Weinflaschen überreicht wird. Vielen Dank an Vittorio und die gesamte Familie Navacchia.

 

 

 

Hier stehe ich mit Vittorio, der mir gerade den Verlauf des Flusses gezeigt hat, der die Grenze zwischen der Romagna und Emilia markiert, und den Satz „In Emilia bekommst du Wasser & in Romagna Wein“ ausgesprochen hat.

 

 

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From visiting @tre.monti & tasting the organic vineyard's excellent wine & learning about the landscape & its soil we rode on to #Imola & a spin on the famous @autodromoimola. The diversity of possibilities here @inemiliaromagna is immense. Thank you so much @imolafaenza & @bikepassionstore for the nice welcome (& for changing my pedals, Simone 😘). Up to #Dozza w/ its beautifully painted walls. The city invites artists every other year for new designs. And how I love the Fave & Ravioli cookies Fabio bought for us. Final stop on yesterday's cycling tour was @il_cardello_locanda, a fantastic restaurant offering local cuisine & a bike theme: Attached is the house & museum of Alfredo Oriani who cycled from Tuscany to Romagna & wrote a book about it. Check out those brakes! Thank you, @ceciliabaroncini & Fabio #appenninobike – you are the best guides & such great company. ❤️ After a wonderful dinner & chat w/ @meglakes 😘@cantineanticagrotta we celebrated #samhain & celtic tradition w/ the burning of the bat in front of #rioloterme's castle. [Werbung, da organisierte Bloggerreise] #inemiliaromagna #ERCycling www.terrabici.com #bicibloggertedesche Thank you, for the pic @radelmaedchen 👋 @fahrtwindberlin #fahrtwindberlin

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Mit dem Fahrrad auf die Rennstrecke in Imola

Weiter geht es nach Imola, wo Fabio und Cecilia zuhause sind, und dessen Autodromo Enzo e Dino Ferrari durch den schrecklichen Tod von Formel 1-Fahrer Ayrton Senna traurige Berühmtheit erlangte. Schon seit einiger Zeit wird die Strecke nicht mehr für Rennen der Formel 1, aber für viele andere Motorsportveranstaltungen genutzt. Zunächst aber lasse ich mir bei Bike Passion, die eine Niederlassung neben dem Autodromo-Museum haben, meine Klickpedale an das Mountainbike schrauben, denn nun gehen wir auf die Strecke. Still und leise kurven wir fünf Kilometer lang über den Parcours und genießen den glatten Untergrund. Mittendrin stehen alte Häuser, wer dort wohl lebte? In einer Kurve flattern Banner. Später werden wir sie von der anderen Seite aus lesen können. Dort steht das Denkmal für Ayrton Senna, das mit Nachrichten und Blumen seiner Fans geschmückt ist.

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Fabio führt uns durch einen Park, wo manchmal Pfauen in den Bäumen sitzen, und durch die Randgebiete von Imola Richtung Dozza. Ein Rennradfahrer spricht ihn an und fragt, wo wir herkommen. Radfahrende Touristen sind offenbar wirklich selten in der Emilia-Romagna. Oder liegt es daran, dass wir Frauen sind? Am Weingut Tre Monti rollte ebenfalls eine Gruppe älterer Männer spontan auf den Parkplatz, da sie „le donne“ entdeckt hatten.

Dozza und seine wechselnden Fassaden

Ein Schwenk nach rechts und weiter geht es scharf links den Berg hinauf. Was bin ich froh, auf einem Fahrrad mit passenden Reifen für diese steinige Strecke zu sitzen. Am Ende des Aufstiegs führt die Straße durch ein kleines Stadttor in das Örtchen Dozza hinein. Alle zwei Jahre werden die Fassaden der Häuser von Künstlern aus aller Welt neu gestaltet. Wir fahren staunend durch die schmalen Gassen und erreichen, kurz bevor während der Mittagspause die Rolläden heruntergelassen werden, eine kleine Bäckerei, in der Fabio uns Kekse kauft, die nach Anis duften und köstlich schmecken. Fave – Bohne – heißen sie. Und auch Ravioli-Kekse gibt es, in diesem Fall aus Mehl und „Stuttgart ohne t“* und pinkfarben.

 

 

 

Der nächste Stopp ist ebenfalls ein kulinarischer: Il Cardello Locanda. Mein Platz am Tisch ist direkt neben einem Regal gefüllt mit verschiedenen Konfitüren, darunter Feigen, auch Zwiebeln, Esskastanien. Und das Essen, das uns serviert wird, ist so gut, dass ich den Geschmack der mit Maronen gefüllten Ravioli nie vergessen werde. Dazu ein für die Gegend typisches Brot aus frittiertem Teig, Gnocco Fritto.

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Unter den Gebäuden rund um das Restaurant befindet sich auch das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Alfredo Oriani, der bereits um 1900 mit dem Fahrrad weite Strecken zurücklegte. Das Rad, das ihn bis in die Toskana trug, ist in dem nun zum Museum gewordenen Haus untergebracht. Leider gilt Oriani als einer der Ahnen des italienischen Faschismus und schrieb neben seinen Reiseberichten entsprechende politische Texte. Dennoch gibt das Haus mit seiner originalen Einrichtung einen sehr lebendigen Eindruck, wie vor gut 100 Jahren in der Gegend gelebt, gekocht und geschlafen wurde.

 

 

 

Schlammbad & Samhain

Nach der Rückkehr ins Hotel sehen wir uns erneut in frühere Jahrzehnte versetzt, denn wir betreten die heiligen Hallen der Therme für eine Behandlung mit dem berühmten Lehmschlamm der Gegend. Aus dem Boden heraus bereits mit natürlichen Mineralien angereichert, soll er eine besonders heilende und entspannende Wirkung haben. Ich werde in einen großen, weißgefliesten Raum geführt. Eine mit Plastik überzogene Liege, in der Ecke eine Dusche, ein Waschbecken, ein Stuhl zum Ablegen der Kleidung. Die freundliche Krankenschwester, Bademeisterin, Meisterin des Schlamms, erklärt, dass ich alles ausziehen und das, was auf der Liege in Plastik verschweißt liegt, anziehen soll. Ich identifiziere etwas Tanga-ähnliches und eine Plastikhaube.

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Dann klatscht sie schwungvoll einen großen Haufen grauen Schlamm auf die Liege und verlässt den Raum. Kurz danach kehrt sie zurück und verstreicht die warme Masse, in die ich mich hineinlege. Anschließend werde ich vom Hals bis zu den Füßen damit bedeckt, in Folie gewickelt und wieder alleine gelassen. Nach einigen Minuten der Entspannung sind die Wickel entfernt und der Schlamm abgeduscht. Ich fühle eine sehr angenehme Bettschwere. Aber der kann heute nicht nachgegeben werden. Schließlich ist Samhain!

Also kurz noch in das warme Wasser der Therme, umziehen und schon nimmt uns Margherita auf einen Spaziergang hoch zur Festung von Riolo Terme, wo eine riesige Fledermaus darauf wartet, um Mitternacht in Flammen aufzugehen. Samhain ist ein heidnischer Brauch, der in Italien neben Halloween gefeiert wird. Im Zentrum von Riolo Terme spielen Bands mit mittelalterlichen Klängen angehauchten Rock, wild ausstaffierte Artisten auf Stelzen zeigen Feuer-Shows, dazwischen Verkaufsstände, es wird gegrillt und im Park lodert ein Lagerfeuer. Die Straßen sind voller Menschen und gegen Mitternacht sammeln sich alle mit Blick auf die Fledermaus. Eine Prozession trommelschlagender Männer leitet das riesige Spektakel auf Feuerwerk und Verbrennung der Fledermaus ein, die das Böse und auch Dämonen, Schatten oder Seelen Verstorbener symbolisiert.

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Zuvor genießen wir ein letztes gemeinsames Essen in der Cantine Antica Grotta, die ebenfalls zum Hotel gehört. Der Inhaber des Restaurants pflegt einen riesigen Weinkeller und auch in dem gemütlichen Raum, der einen spannenden Blick in die Küche bietet, ist man von Weinflaschen umgeben.

Ganz besonderen Dank an Margherita, die unseren Aufenthalt mit so viel Liebe und Umsicht organisiert hat. Das Grand Hotel Terme stellt sich erst seit kurzer Zeit auf die Unterbringung von Radfahrenden ein und hat mit dem neu eingerichteten Fahrradkeller, dem Kontakt zu Fahrradläden und Radverleih wie Bike Passion sowie Guides wie Fabio von Appennino Bike wunderbare Voraussetzungen dafür geschaffen. Veranstaltungen wie das Mountainbike-Festival Rally di Romagna kooperieren ebenfalls mit Hotel und Einrichtungen der Therme. Den Bericht zum ersten Teil des Aufenthalts von uns #bicibloggertedesche findet ihr hier.

Transparenzhinweise: Die Kosten für den Aufenthalt wurden von Terrabici, einem Zusammenschluss fahrradfreundlicher Hotels in der Region Emilia-Romagna, und dem Tourismusverband übernommen.

*Ich bekomme diesen Teil eines längeren Spruchs seit dem letzten Wochenende nicht mehr aus dem Kopf. Der musste jetzt auf diesem Wege raus.

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