Immer am Elbdeich lang – Geesthacht bis Wittenberge

Nachdem ich im Juni die #BÄR2HH-Strecke nur von Berlin bis Wittenberge mitgefahren bin, habe ich mir für die Rückfahrt von der Nordsee den Abschnitt Hamburg-Wittenberge vorgenommen.

Den Hamburger Stadtverkehr umfahre ich von St. Michaelisdonn aus auf Schienen. In Hamburg-Bergedorf geht es wieder per Fahrrad weiter bis nach Geesthacht, wo ich auf einem Campingplatz direkt an der Elbe mein Zelt aufschlage. Kaffee am Morgen wird es nicht geben, aber zwei Bier für insgesamt einen Euro drückt mir der nette Platzwart in die Hand. Von einem Imbiss um die Ecke hole ich Flammkuchen.

Flammkuchen-to-go Campingplatz Hohes Elbufer Geesthacht

Bei Sonnenuntergang landen laut schnatternd Enten und Gänse auf dem Wasser. Ab und zu zieht ein Schiff vorbei. Ein Fisch springt etwas zu übermütig und landet auf einem Stein in der Nähe des Ufers. Zum Glück kann er sich schnell selbst wieder ins Wasser zappeln.

Elbstrand Campingplatz Hohes Elbufer Geesthacht

Langsam rolle ich am nächsten Morgen vom Campingplatz aus  in den Wald hinein. Ein paar kleine Steigungen und plötzlich ein überwucherter Weg mit Kopfsteinpflaster, den es steil hinunter geht, an der nächsten Kreuzung eine Absperrung.

2018-08-20 08.32.38

Ich freue mich auf den ersten Kaffee des Tages, den ich zum Glück nach etwa 10 Kilometern in Lauenburg bei der Bäckerei Lührs trinken darf. Die Franzbrötchen sehen nicht nur gut aus, sie machen jedem Hamburger Franzbrötchen Konkurrenz.

Lauenburg liegt auch noch etwas verschlafen im Nieselregen.

Ein Radwanderer schiebt auf dem Kopfsteinpflaster der Altstadt an mir vorbei und klagt über den Gegenwind, den er stetig spürt. Glücklicherweise bin ich heute mit Rückenwind unterwegs.

Lauenburg Elbblick mit Franzbrötchen von Bäckerei Lührs

Von Schleswig-Holstein aus rolle ich über Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen hinein und weiter nach Brandenburg.

Nachdem ich den Elbe-Lübeck-Kanal überquert habe, geht es in schönen Wellen auf dem Radweg neben der Bundesstraße 5 bis Boizenburg. Einen kleinen Schlenker um den Hafen an der Boize geschlagen, stehe ich auf dem Deich und damit an einem der schönsten Abschnitte der Strecke. Die Elbe schlängelt sich auf meiner rechten Seite. Links liegen rotgeziegelte Häuser und Höfe.

Konau an der Elbe

Ein ehemaliger Grenzwachturm der DDR ist in eine Vogelschutzstation umgewandelt worden.

DDR-Wachturm bei Boizenburg Vogelschutzstation

Viele Orte waren zu Zeiten der deutschen Teilung durch strenge Zutrittskontrollen von der Außenwelt abgeschnitten, wie Rüterberg, das sich nach dem Mauerfall zur Dorfrepublik erklärte. Dagegen wurde zwischen den Dörfern Konau und Popelau mit der St. Lukas-Kapelle im Jahr 1957 der einzige Kirchenbau im Sperrgebiet der DDR geweiht.

St. Lukas-Kapelle Konau/Popelau
Die St. Lukas-Kapelle auf der Deichdüne

Vor der stark befahrenen Elbebrücke bei Dömitz eines der Schilder, die an die Teilung erinnern, mit dem Datum der Öffnung des Übergangs lange nach dem Fall der Mauer.

Elbebrücke bei Dömitz
Diese Verbindung über die Elbe wurde erst am 18. Dezember 1992 fertiggestellt.

In Dömitz kaufe ich meine 100-Kilometer-Cola, der Mann im Dönerladen nickt wissend und sagt:

„Ja, Zucker, das braucht man dann!“

Ich genieße die Reste des Flammkuchen im Nieselregen auf einem Felsstein sitzend. Es ist schön, die Feuchtigkeit zu spüren. Die letzten Wochen waren zu trocken, das ist auch an den ausgetrockneten Tümpeln zu erkennen. Allerdings setzen die Elbfähren wieder über. Der Pegelstand scheint dafür ausreichend zu sein.

An einer der Anlegestellen treibt ein Schäfer mit seinen beiden eifrigen Hunden eine große Schafherde auf die nächste Weide. Fasziniert beobachte ich vom Deich aus das Zusammenspiel zwischen dem Schäfer, den Hunden und der Herde.

Schafherde mit Hund und Schäfer an der Elbe

Noch ein paar Windungen des Flusses, viele Sichtungen von Störchen, Silberreihern, Schwalben, die mich schwätzend überholen. Schließlich ein Rotmilan.

Das nächste Mal bringe ich viel mehr Zeit mit.

Für zumindest eine Übernachtung auf der Strecke. Und ein Fernglas. Es gibt hier so viel zu beobachten. Auch die Festung Dömitz und das alte Zollhaus auf der anderen Elbseite in Hitzacker werde ich mir nächstesmal näher anschauen. Es wird langsam und in zwei Etappen Richtung Boizenburg gehen und mit Tempo zurück nach Wittenberge oder vielleicht sogar ganz bis Berlin.

Elbeblick Richtung Wittenberge am DeichOhne das #BÄR2HH-Team würde die Pizza in Wittenberge sicher nicht noch einmal so gut schmecken. Also setze ich mich in den nächsten Zug nach Berlin.

Die 150km habe ich heute nicht geknackt. Aber dafür ganz neue Ecken kennengelernt. Absolute Empfehlung für diesen Elbeabschnitt und seine Vielfältigkeit.

 

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