Tour de Schafschiet – Elberadweg & Nordsee

In Hamburg finden an diesem Wochenende die Cyclassics statt. Deshalb hängt neben meinem Stahlrahmen und zwei Hollandrädern ein schicker Carbon-Renner am Fernbus.

Schnell habe ich die Taschen wieder am Fahrrad festgezurrt und fluche mich durch den Hamburger Stadtverkehr. Dass die Route an Hafen und Fischmarkt vorbei an einem Samstagmorgen natürlich vor allem bei Touristen beliebt ist, hätte ich ahnen können. Dazu kommen Baustellen und im Nirgendwo endende Radwege.

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Schnell tief Luftholen mit Blick auf die Kräne und Pötte, durchs wunderschöne Övelgönne geschoben, parallel verläuft die Elbchaussee, aber ich war zu lange nicht mehr hier, um die hübschen Häuschen links liegen zu lassen.

Die nächsten 100  Kilometer fließt nur die Elbe links von mir.

Erstaunlich wenig Menschen sind auf dem Deich unterwegs, der immer wieder von Schafgattern unterbrochen wird. Das Ein- und Ausklicken der Schuhe aus den Pedalen wird allmählich zur Routine. Klasse Trainingsstrecke, um mich weiter an die Klickies zu gewöhnen. Wegen einer Baustelle ist der Elberadweg zwischen den Sperrwerken in Krückau und Pinau gesperrt. Auf dem etwa 8 Kilometer langen Umweg lädt ein Melkhus in einem über 200 Jahre alten Reetdachhaus zu hausgemachtem Quark mit Blaubeeren und richtig gutem Kaffee ein. Vor vielen Höfen und Häusern wird Obst und Gemüse zum Verkauf oder zum Verschenken angeboten. Ein paar Äpfel wandern in meine Tasche und Mirabellen vom Baum.

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Alle Orte auf dem Weg, die motorisiert erreicht werden können, sind voller Menschen.

Dazwischen genieße ich die Ruhe, die gemütlich über den Weg trottenden oder mittendrauf liegenden Schafe, flitzende Schwalben und den Wind, der immer mehr auffrischt. Merkwürdige Stille rund um das Kernkraftwerk Brokdorf, das ich auf einer windgeschützten Landstraße passiere. Kurz vor Brunsbüttel wird #DieKunstderKuh für Dawid festgehalten.

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Direkt vor der Fähre, die mich über den Nord-Ostsee-Kanal setzen wird, endlich ein Kiosk mit Eis. Die brandneue Weste gegen den Wind habe ich schon kurz nach Hamburg übergezogen. Jetzt noch eine Jacke für die Überfahrt und ich genieße es, die Beine und den Rücken für ein paar Minuten strecken zu können.

Die letzten Kilometer durch diverse Köge in Dithmarschen, mal neben und mal auf dem Deich, sind ein strammer Ritt. An Kilometer 100 gibt es eine noch immer gut gekühlte Cola vom Brunsbütteler Kiosk. Ganz selten überholt mich ein Auto. Kurz vor Friedrichskoog fragen mich verirrte Menschen nach dem Weg.

Dann geht es noch einmal auf den Deich hinauf, der komplett von Schafschiet bedeckt ist.

Die vertrockneten Pflanzen auf den Feldern sind ein schrecklicher Anblick, aber in diesem Moment bin ich froh, dass die Köttel von der Sonne getrocknet wurden und es sich wie auf einer Gravelstrecke fährt.

Am Ortsschild von Friedrichskoog und der Seehundstation vorbei geht es direkt bis in den Garten meines Vaters. Seine Frau hat herzhafte koreanische Pfannkuchen vorbereitet. Dann wird gemeinsam das erste Mal das Zelt aufgebaut und ich schlafe am Rande des Kohlfelds, das sich bis zum Deich zieht. Das sanfte Schnacken der Schafe dort begleitet mich durch die Nacht. Schöne Tour. Gegenwind kann ich.

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Glamping inklusive gestellter Puschen

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