Strecke statt Tempo & die Quellen der Inspiration

Hätte mir im Januar jemand vorhergesagt, dass ich im Juni ein Rennrad besitze, einen Fahrradcomputer darauf befestigt habe, mit Klickpedalen fahre und weiß, was der Begriff Kassette in Bezug aufs Fahrrad bedeutet: Diese Person hätte Kopfschütteln geerntet.

Das Radfahren an sich ist mir nicht fremd

Die erste lange Tour machte ich mit drei Schulfreundinnen von Worpswede nach Paris. Das letzte Stück fuhren wir mit dem Zug, von Arras oder Amiens, genau erinnere ich mich nicht mehr. Davor lagen einige Kilometer durch Deutschland, die Niederlande und Belgien. Die Tour ist dreißig Jahre her. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für ein Jubiläums-Treffen.

Aber sportlich habe ich das Radfahren, bis auf die leider viel zu kurze Zeit in San Francisco, nicht wieder betrieben. Dort erinnere ich mich sehr lebhaft an eine Tour mit der lieben „German Jenny“, die uns hügelauf-hügelab durch die Stadt und in die wunderschöne Gegend auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge, nach Marin County, führte.

Six Days und CrossFit

Im Dezember letzten Jahres nahm ich das Challenge-Angebot eines Studios wahr: 21 Kurse in 21 Tagen waren zu absolvieren. Glücklicherweise nicht nur schweißtreibende Kampfsportkurse, auch Yoga- & Blackroll-Stunden zählten. Manche Stunden brachten mich an meine Grenzen, aber ich habe durchgezogen und bestanden. Zu Beginn des Jahres traute ich mich endlich in eine CrossFit-Box. In der ersten Box fühlte ich mich nicht ganz so wohl und gut betreut wie bei Argo Athletics in Pankow, wo ich seit Februar trainiere.

Ein Besuch bei den Six Days im Januar löste dann die Entwicklung bis heute aus. Fasziniert von den Athletinnen wie Kristina Vogel, Miriam Welte und Maximilian Levy, die ihr Training auf Kanälen wie Instagram dokumentieren, entdeckte ich, wieviel meine neue Begeisterung fürs Gewichtheben in den CrossFit-Stunden auf die Leistungen beim Radfahren ausmachen könnte.

Über das Radfahren in der Gruppe

Beim Women’s Bike Camp dann die ersten Erfahrungen mit dem Fahren in der Gruppe. Ein umwerfendes Gefühl, das ich nicht mehr missen möchte. Allerdings kommt es sehr auf die Zusammensetzung der Gruppe an und ich suche noch nach passenden Mitfahrerinnen. Leider gibt es viel zu wenig Frauen, die gemeinsame Ausfahrten machen, selbst hier in Berlin. Aber die Fühler sind ausgestreckt.

Fahrrad Abendrunde Karow Specialized SequoiaDiesen Sonntag musste ich bereits am Anfang eine Tour verlassen. Schon auf dem Weg zum Treffpunkt zippelte mein Knie leise vor sich hin. Es wurde direkt sehr zügig angetreten und an der Stadtgrenze von Berlin entschied ich, dass die geplanten 100 Kilometer zuviel sein würden. Während ich auf Radwegen an den Straßen zwischen Malchow, Karow, Buch und Blankenburg in meinem Tempo noch auf 50 Kilometer Strecke kam, überdachte ich meine Pläne für das Jahr 2018 und das Frühjahr 2019.

Schnell fahren, gerne, aber keine Kurzstreckenrennen

Das Gewusel von teilweise unsicher fahrenden Velothon-Teilnehmenden war – vor allem auf den letzten Kilometern vorm Ziel – kein schöner Anblick. Ein Anreiz wäre eventuell, solche Fahrradrennen im Team zu fahren, wie Belinda Scott und das Bella Velo-Team, die aus England angereist waren und den zweiten Platz in der Frauen-Team-Wertung erreichten!

Wenn ich mit zu hoher Geschwindigkeit durch die Landschaft fahre, genieße ich sie weniger. Ich möchte meine Umgebung wahrnehmen können, Natur weitgehend unbeschadet lassen, die Tierwelt nicht unnötig verschrecken oder gefährden und den häufig freundlich grüßenden Menschen am Straßenrand zuwinken können, statt krampfhaft an Lenker und Bremshebeln zu klammern.

Statt Tempo die Strecke im Fokus

Fahrrad Abendrunde Rieselfelder BuchAusdauer und Kraft werde ich bis zum Ende des Jahres stärken, um im April den Candy B. Graveler von Frankfurt am Main nach Berlin zu fahren. Und den ein oder anderen Schlauchwechsel sollte ich bis dahin gemacht haben sowie mein Technikverständnis für Bremsen und Schaltung geschärft haben. Aber vor allem werde ich in die Pedale treten.  Gestern ging es mit einer Women’s Bike Camperin auf weitgehend autofreier Strecke nach Nauen. Am Samstag startet #BÄR2HH, organisiert von hamburgfiets, in Berlin. Die 150 Kilometer bis Wittenberge bin ich dabei. Den Berliner RTF-Kalender mit den Terminen der Radtourenfahrten habe ich fest im Blick. Dort sind einige schöne Runden mit Streckenlänge 100 Kilometer und mehr zu finden. Eventuell werde ich in diesem Jahr einem Radsport-Verein beitreten. Noch immer liegt die Beteiligung von Frauen bei Radsportveranstaltungen bei nur 10 Prozent, wie auch gerade wieder bei Rund um Köln. Außerdem sind es die Vereine, die Veranstaltung wie die RTF am Laufen halten.

Inspirierende Frauen im Ausdauer-Radsport

Women Cycling Group Bella Velo T-Shirt TauschKürzlich beeindruckte mich Johanna Jahnke, die dieses Jahr The Transcontinental Race, fährt. Johanna ist ehemalige Rugby-Nationalspielerin, jetzt Fixie-Rennrad-Fahrerin, und sprach diesen Monat im Radsalon von Bicicli über ihre Erfahrungen als vegane Athletin und Frau im Radsport. Dann Radelmädchen Juliane, die im Blog nicht nur über ihre ersten Runden mit dem neuen Tourenrad von Veloheld berichtet, Miriam von Hamburgfiets, Mitinitiatorin von #BÄR2HH am nächsten Wochenende, und Maren, die auf Ich hasse laufen sehr unterhaltsam über u.a. ihre 333 Kilometer von Essen an die Nordsee schreibt. In diese Reihe gehört auch Belinda Scott und die von ihr gegründete Bella Velo Women’s Cycling Group.

Außerdem Jenny Tough, gerade auf dem Transatlantic Way Race in Irland unterwegs, und Paula Regener, die letztes Jahr auf der 2500 Kilometer langen Strecke entland der Atlantikküste den ersten Platz erreichte. Beide gehören zum Adventure Syndicate, das andere Frauen inspirieren möchte, scheinbar unmögliche Herausforderungen anzunehmen. Auch Emily Chappell, die Transcontinental Gewinnerin von 2016 und Jenny Graham sind Teil des Syndikats.

Vom Brandenburger Tor rund um die Welt – per Fahrrad

Jenny Graham startet diesen Samstag, 16. Juni, um 6 Uhr früh am Brandenburger Tor in Berlin, die Welt auf dem Fahrrad zu umrunden und dabei den Rekord der bisher schnellsten Frau zu brechen. Ein sehr schönes Interview mit Jenny Graham ist auf der Apidura-Site zu lesen.

Unsupported: Sie fährt ohne Begleitung, ganz auf sich alleine gestellt.
Das verdient einen würdigen Start. Wer ist dabei? Samt Lieblingsbecher? Kaffee kommt per Berlinpiloten-Rikscha.
Details & Event-Page hier.

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